Jeder, der schon einmal ein ausgerissenes oder überdrehtes Gewinde hatte, sei es am Motorrad, Auto oder einer Maschine, weiß, wie ärgerlich das sein kann. Statt das ganze Bauteil zu ersetzen, gibt es zum Glück eine einfache und zuverlässige Lösung: Helicoil-Einsätze. Wir erklären dir in diesem Beitrag, wie sie genutzt und eingebaut werden, geben wichtige Tipps und zeigen häufige Fehler.
Was ist Helicoil und welche Vorteile bietet es?
Ein Helicoil ist ein spiralförmiger Draht aus Edelstahl, der so gewickelt ist, dass er ein normgerechtes Innengewinde bildet. Er wird in ein speziell vorbereitetes Gewinde eingesetzt und sitzt dort sicher und formschlüssig. Der große Vorteil: Der Helicoil stellt das beschädigte Gewinde nicht nur wieder her, sondern macht es oft stabiler als das Original – besonders bei weichen Materialien wie Aluminium oder Kunststoff.
Im Vergleich zu starren Gewindehülsen nimmt ein Helicoil deutlich weniger Platz ein und benötigt keine hohen Wandstärken. Er besteht nur aus Draht, ist also leicht und kompakt, dabei aber sehr belastbar. Außerdem lässt er sich einfach und schnell montieren – oft sogar ohne Ausbau des gesamten Bauteils.
Zusammengefasst lassen sich folgende Vorteile festhalten:
- Kostengünstige Reparatur, z. B. bei beschädigten Aluminiumgewinden
- Erhöhte Festigkeit durch gleichmäßige Lastverteilung auf das Innengewinde
- Platzsparend und auch in dünnwandigen Materialien einsetzbar
- Korrosions- und temperaturbeständig, da aus Edelstahl gefertigt
- Erhalt des Originalgewindes, Schrauben mit Normgewinde passen weiterhin
Wo wird Helicoil verwendet?
Helicoil-Gewindeeinsätze kommen vor allem dort zum Einsatz, wo bestehende Gewinde beschädigt oder zu schwach für die Belastung sind. Besonders häufig findet man sie bei defekten Gewinden in Aluminiumbauteilen, wie zum Beispiel im Zylinderkopf oder Motorgehäuse von Fahrzeugen. Da Aluminium relativ weich ist, nutzt sich das Gewinde durch wiederholtes Eindrehen und Lösen von Schrauben schnell ab oder wird bei unsachgemäßer Handhabung beschädigt. Hier bietet Helicoil eine effektive Lösung, indem der Einsatz ein neues, widerstandsfähigeres Gewinde schafft.
Darüber hinaus werden Helicoil-Einsätze verwendet, um Gewinde gezielt zu verstärken. Das sorgt nicht nur für eine höhere Belastbarkeit, sondern verlängert auch die Lebensdauer der Verbindung.
Man unterscheidet also grundsätzlich zwei Anwendungsarten: die Reparatur beschädigter Gewinde und den präventiven Einsatz.
Während bei der Reparatur ein bereits zerstörtes Gewinde wiederhergestellt wird, nutzt man es im präventiven Einsatz, um von Anfang an eine dauerhafte, widerstandsfähige Verbindung sicherzustellen, beispielsweise bei besonders beanspruchten Schraubstellen.
Anleitung zum Einbau
- Das ausgerissene Gewinde muss zuerst mit dem Spiralbohrer der entsprechenden Größe aufgebohrt werden.
- Als Nächstes muss das Außengewinde des Helicoil-Einsatzes mit dem speziellen Helicoil-Einsatzgewindebohrer geschnitten werden.
- Im nächsten Arbeitsschritt wird das Helicoil mit Hilfe des Helicoil-Eindrehwerkzeuges eingebracht. Hierbei erhält das Helicoil die nötige Vorspannung, um sich nach dem Einbau in das geschnittene Gewinde einzupassen. Bei sachgemäßem Einbau sind keinerlei Klebstoffe o. Ä. nötig.
- Als letztes muss der Mitnahmezapfen an der Sollbruchstelle mit Hilfe des Zapfenbrechers entfernt werden.
Wichtige Tipps
Richtige Bohrtiefe beachten
Die exakte Bohrtiefe ist entscheidend für eine passgenaue Installation des Gewindeeinsatzes. Ein zu flaches oder zu tiefes Bohren kann dazu führen, dass der Einsatz nicht richtig sitzt, was die Stabilität der Verbindung beeinträchtigt. Deshalb sollte man unbedingt die Herstellerangaben beachten und gegebenenfalls mit einer Tiefenbegrenzung am Bohrer arbeiten, um die Bohrtiefe präzise einzuhalten.
Die richtigen Maße wählen
Helicoil sind so hergestellt, dass diese im eingebauten Zustand die genannten Maße aufweisen. Die Länge und der Durchmesser eines Gewindeeinsatzes im nicht eingebauten Zustand sind nicht vergleichbar mit den Maßen im verbauten Zustand. Dies liegt daran, dass der Gewindeeinsatz vor dem Einbau wie eine Feder zusammengezogen ist und somit kürzer ist und einen größeren Durchmesser aufweist. Erst nach dem Einbau ist der Gewindeeinsatz auf die genannte Größe auseinandergezogen und der Durchmesser ist dann auch entsprechend auf das Nennmaß verringert.
Mit Gefühl arbeiten – besonders bei Aluminium
Aluminium ist ein vergleichsweise weiches Material und kann beim Bohren oder Gewindeschneiden leicht beschädigt werden. Um das Material nicht unnötig zu belasten oder auszureißen, ist ein ruhiger, kontrollierter Arbeitsstil wichtig. Das gilt auch für das Eindrehen des Helicoil-Einsatzes: Hier sollte man mit Gefühl arbeiten und keinen zu hohen Drehmoment aufbringen, um die Stabilität des Bauteils nicht zu gefährden.
Worauf bei Sacklöchern zu achten ist
Bei Sacklöchern, also Bohrungen, die nicht durchgehen, muss man besonders auf die Tiefe und die Position des Helicoil achten. Der Einsatz darf nicht zu lang sein, damit er nicht auf dem Bohrgrund aufsitzt, was das Einschrauben und die Belastbarkeit beeinträchtigen würde. Außerdem empfiehlt es sich, die Bohrung gründlich zu reinigen, damit keine Späne oder Schmutz im Sackloch verbleiben, die das Gewinde beschädigen könnten.
Unterschiede bei metrischen und zölligen Einsätzen
Beim Einsatz von Helicoil gibt es verschiedene Gewindetypen, vor allem metrische und zöllige Systeme. Diese unterscheiden sich in der Steigung und dem Durchmesser der Gewinde, weshalb man unbedingt den passenden Helicoil-Einsatz zum ursprünglichen Gewinde wählen muss. Eine falsche Wahl kann dazu führen, dass Schrauben nicht passen oder die Verbindung instabil wird. Zudem sind die Werkzeuge und Bohrungen für metrische und zöllige Gewinde unterschiedlich, was bei der Vorbereitung berücksichtigt werden muss.
In der folgenden Tabelle befindet sich eine Übersicht der Windungszahlen und Spiralbohrergrößen für die jeweiligen Gewindegrößen.

Werkstoffangaben Helicoil

Häufige Fehler und wie sie vermieden werden
Zu tiefes oder schräges BohrenEin häufiges Problem ist, dass das Loch entweder zu tief oder nicht rechtwinklig gebohrt wird. Ein zu tiefes Loch kann dazu führen, dass der Gewindeeinsatz nicht richtig hält oder sich im Bauteil bewegt. Ein schräg gebohrtes Loch erschwert das Eindrehen des Einsatzes und kann zu einem schiefen, instabilen Gewinde führen. Um das zu vermeiden, sollte man sorgfältig mit einer Tiefenbegrenzung und möglichst präzisen Bohrhilfen arbeiten.
Falsche Helicoil-Länge wählen
Die Länge des Helicoil-Einsatzes muss genau zum beschädigten Gewinde passen. Ist der Einsatz zu kurz, reicht die Gewindefläche nicht aus, um die Belastung sicher aufzunehmen. Ist er zu lang, kann er im Bauteil aufliegen oder sich verformen. Daher ist es wichtig, vor dem Kauf und Einbau die genaue Gewindetiefe zu messen und den passenden Einsatz zu wählen.
Wichtig: Die Angabe der Länge der Helicoil bezieht sich auf die Nennlänge des defekten Gewindes.
Abbrechdorn nicht richtig entfernt
Viele Helicoil-Sätze verwenden einen Abbrechdorn, um den Einsatz an seinem Platz zu halten. Wird dieser Dorn nicht vollständig oder unsachgemäß entfernt, kann er beim Einschrauben der Schraube stören oder das Gewinde beschädigen. Man sollte sich daher genau an die Anleitung halten und den Dorn vorsichtig und vollständig abbrechen.
Einsatz sitzt locker oder nicht bündig
Ein nicht korrekt sitzender Helicoil-Einsatz ist einer der Hauptgründe für eine schlechte Verbindung. Sitzt der Einsatz zu locker, kann er sich drehen oder herausfallen; sitzt er nicht bündig, wird die Last nicht optimal verteilt. Um das zu vermeiden, sollte man den Einsatz mit dem richtigen Werkzeug und mit gleichmäßigem Druck eindrehen und anschließend kontrollieren, dass er plan im Bauteil liegt.
Fazit
Mit Helicoil-Einsätzen lässt sich fast jedes beschädigte Gewinde schnell und zuverlässig reparieren. Dabei sparst du dir den kompletten Austausch teurer Bauteile und sorgst für eine stabile, langlebige Verbindung.
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